Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten. ( J. D. Rockefeller, Milliardär )
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„Das Wir entscheidet!“

Nachfolgend ein Gastartikel von Dr. Olaf Borkner-Delcarlo:

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Das Leben ist kurz Freunde! Kurz und voller Mühen und Plagen. So jedenfalls sagt es die Bibel und so ist die soziale Grundstruktur unserer Gesellschaften eingerichtet. Und so lautete denn der Wahlslogan der SPD:

„Das Wir entscheidet!“

Ich habe mich schon gefragt, warum das so sein muss. Könnte es denn nicht sein, dass eben manchmal nicht das Wir entscheidet, sondern schlicht und einfach nur das Ich? Wo bleibt denn das Wir, wenn der Rentensatz wiedereinmal nach unten angepasst wird? Wo bleibt das Wir, wenn nach einem arbeitsreichen Leben, trotz ehemals gutem Einkommen die Rente nicht reicht? Der Staat empfiehlt, für die Altersvorsorge selbst zu sorgen und bietet dafür so merkwürdige Produkte wie Riester oder Rürup an, wohl wissend, dass dabei nicht wirklich etwas Substantielles herauskommen kann.

Nicht dass ich den staatlichen Organen etwas vorwerfen möchte, denn die handeln nach streng mathematischen Kriterien (wenigstens nehme ich das an). Wenn die Rentendauer aufgrund gestiegener Lebenserwartung sich verdoppelt, dann kann man sich an den fünf Fingern ausrechnen, dass der Staat darauf reagieren muss. Entweder die Lebensarbeitszeit wird verlängert, oder die Rentenhöhe kann nicht so bleiben wie ehedem und muss reduziert werden. Beide Entwicklungen sind zur Zeit in der Gesellschaft feststellbar. Aber kann das bedeuten, dass man sich im Alter mit weniger zufrieden geben muss? In einer Gesellschaft, deren Lebenshaltungskosten ständig steigen?

Nein, das kann, sollte und muss es nicht bedeuten.

Die Antwort auf diese Frage ist: Eigenvorsorge. Wie sagte meine Großmutter immer: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Doch mir kommt es so vor, als ob sich dieses Sprichwort in unserer Zeit in sein zynisches Gegenteil verwandelt hat: „Spare in der Not, dann hast du Zeit dazu.“ Wieso vertraut jeder auf die Vorsorge des Staates? Wieso vertraut man sich bedenkenlos Versicherungen und meist inkompetenten Finanzinstituten an? Wieso wird Aktienbesitz als höchst risikoreich eingestuft, obwohl doch jedem klar sein müsste, dass nur und ausschließlich der Konsum und die Investition in Konsumaktien die einzig verlässliche Größe ist?

Die Intentionen der Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen ist klar. Sie alle wollen Geld verdienen, unser Geld. Die Reaktion des mündigen Anlegers darauf ist auch klar; er hält sich einfach fern von solchen „Diensten.“

Das Problem ist der Staat und seine Organe. Nun, auch die wollen nur das Geld des Anlegers, jedoch ist die Reaktion des mündigen Anlegers darauf nicht so klar. Denn wie hält man sich fern von solchen „Diensten?“ Sie werden dem Investor einfach in Form von Steuern in Rechnung gestellt. Natürlich kann man als Investor das Land wechseln, aber das ist meist mit einem sehr hohen Aufwand verbunden und zudem sind die Lasten in den zivilisierten Ländern ziemlich ähnlich. Wer möchte schon nach Sierra Leone oder die Elfenbeinküste auswandern, nur um Steuern zu sparen?

Heißt das, jegliche Art von Eigenvorsorge ist müßig, nutzlos und vor allem wirkungslos? Keinesfalls! Denn auch wenn die Besteuerung der Vermögenserträge ins beinahe unerträgliche steigen, so ist die eigenverantwortliche Anlage die einzige Möglichkeit, überhaupt einen Zusatzertrag zu erwirtschaften.

Bei der gegenwärtigen Armutsdiskussion vermisse ich zwei Faktoren, nämlich den der Eigenverantwortung und den der eigenen Lebenshistorie. Kann es wirklich gerecht sein, die eigene Lebenshistorie auszublenden, wenn wiedereinmal die Frage nach der Gerechtigkeit gestellt wird? Derjenige, der sein Leben lang etwas zur Seite gelegt hat, der eigenverantwortlich, mit Intelligenz, Risikobewusstsein und manchmal auch mit etwas Glück einen Finanzstock aufgebaut hat, der ihm im Alter etwas mehr an Komfort ermöglicht, muss der wirklich mitzahlen für jenen, der sein Leben nur mit Geldausgeben verbracht hat, der sich niemals die Frage stellte: „Wovon werde ich denn einmal leben, wenn ich nicht mehr erwerbsfähig bin?“ Ist es nicht so, dass der intelligente, vorausschauende Anleger zwei Mal zahlt? Einmal mit dem Verzicht auf Komfort während der Ansparphase und ein zweites Mal, wenn er im Alter von seinem bereits mehrfach versteuerten Kapitalstock schon wieder etwas abgeben soll?

Solidarität ist eine feine Sache, nur manchmal habe ich den Eindruck, dass dieser Begriff nur als Ausrede dient, um dem Bürger mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich will nun keine Einzelbeispiele zitieren, wie den Berliner Flughafen oder die Elbharmonie. Und wenn sie auch einen schalen Geschmack im Mund hinterlassen so sind all diese unnützen Ausgaben im jährlichen Haushalt der Bundesrepublik kaum zu auszumachen. Das Problem ist das gewachsene Anspruchsdenken der Bürger. Jeder möchte irgendeine Zuwendung haben, ob Solar-, Eigenheim- oder Sparförderung. Auch wenn die etwas links geknüpfte Gemeinde in Deutschland etwas anderes sagt, so ist gerade in Deutschland das Netz der Absicherung so eng geknüpft, dass man von einer absoluten Armut in Deutschland beim besten Willen nicht sprechen kann. Der Staat bezahlt die Miete, die Kosten für Energie, Wasser und Abwasser, er kümmert sich sogar um die Abwicklung der Zahlungen. Und oben drauf gibt’s noch ein Taschengeld.

Allerhöchstens könnte man von einer relativen Armut sprechen, aber was bedeutet das schon? Dass ich einen kleineren Wagen fahren muss als mein Nachbar? Dass ich zur Miete wohnen muss im Gegensatz zum Villenbesitzer? Dass ich mir keinen 60“ Flachbildfernseher leisten kann? Wo doch der Nachbar einen so wunderschönen 3D-Fernseher hat?

Das eigentliche Problem in dieser Republik ist zwiefältig. Zum Einen die Tendenz staatlicher Gesetzgebung, den Einzelnen in ein System der Abhängigkeit zu zwingen und zum anderen, die merkwürdige Intention des Staates, dem Bürger zu suggerieren, vornehmliche Aufgabe des Staates sei es, den Bürger gegen jeden Unbill des Lebens absichern zu müssen, sprich ein Anrecht auf Grundsicherung zu gewähren. Dies gipfelt in der völlig irrealen Forderung der Partei „Die Linke“ nach einem bedingungslosen Grundeinkommen für jeden Bürger. Und wenn man nicht wieder eine Mauer um Deutschland herum bauen will, so ist so etwas nicht zu finanzieren. Außerdem, was bedeutet bedingungslos? Bekommen dann die Mitglieder der Quandt-Familie auch ein Grundeinkommen? Immerhin, bedingungslos konsequent interpretiert, müsste doch genau dies bedeuten!

Einer der schlimmsten Dinge, die der Staat seinen Bürgern antun kann, ist es, ihn seiner Unabhängigkeit zu entäußern, denn das muss und wird früher oder später zum Zusammenbruch einer Gesellschaft führen. Die DDR, die UDSSR und zahllose andere Staaten haben das bereits vorexerziert.

Aber die Erkenntnis allein, trägt bereits den Schlüssel zur Lösung dieses Problems.

Denn nicht das WIR entscheidet immer, sondern manchmal eben auch das simple, einfache egoistische ICH! Nämlich dann, wenn es darum geht Vorsorge zu betreiben, Vorsorge für sich selbst und das bedeutet schließlich auch, dem Staat im Alter nicht zur Last zu fallen.

In diesem Sinne wünsche ich euch erfolgreiches Investieren.

Dies ist ein Gastartikel von Dr. Olaf Borkner-Delcarlo – Autor des Buches  Finanzberatung? Nein Danke! Ohne Ratgeber erfolgreich investieren

Update vom 03.10.2013 – Marina Weisband (Piraten Partei) erklärt das Bedingungslose Grundeinkommen anhand einer Matrjoschka.


19 Responses to “„Das Wir entscheidet!“”

  1. Florian sagt:

    ich lese hier gerne mit, da ich Dividendenstrategien spannend finde. Daumen hoch für all die Mühe zum erstellen der Seite.

    Ich muß aber gestehen, dass ich ein großer Fan vom Grundeinkommen bin. Es ist bei Weitem keine linke Idee, es geht hierbei nur um die Grundsicherung und nicht um das Streichen jeglichen privaterwirtschafteten Einkommens. Ist Grundsicherung gesichert, kann sich jeder frei entfalten. Und ja, auch die Quandts sollen ihr Grundeinkommen bekommen, es soll ja schließlich gerecht bleiben. (die Frage, ob es gerecht ist, reiche Eltern zu haben, lasse ich mal außen vor ;-))

    Die Idee hinter dem Grundeinkommen ist hier gut erklärt (Götz Werner, DM-Drogeriemarkt-Gründer, FDP):

    http://www.unternimm-die-zukunft.de/de/zum-grundeinkommen/

    Ihr findet auch einiges zur Finanzierung. Es ist ein ziemlich vielschichtiges Thema und es ist eine Vision, daher (noch) nicht unbedingt leicht zu verstehen. Generell denke ich aber, dass hier im Forum die meisten recht intelligent sind und auch mal quer denken können. Meiner Meinung nach ist das Grundeinkommen der nächste Schritt für unsere Gesellschaft in der uns Technologien und Fortschritt die Arbeit nach und nach abnehmen bzw. schon abgenommen haben und uns das Leben leichter und angenehmer machen. Lest euch ein, bin gespannt, was ihr davon haltet.

    Cheers,
    Florian

    • Finanzielle Freiheit sagt:

      @Florian: Danke für Deinen Kommentar. Habe einiges schon zum Grundeinkommen gelesen. Schon heute könnte man viel mehr Arbeitsprozesse automatisieren, jedoch wird dies noch nicht umgesetzt, weil dann wieder mehr Leute arbeitslos werden. Die Frage ist einfach, in welchem Zeitraum man so einen Umbau der Gesellschaft zum Grundeinkommen durchführen könnte und ob dies bei der hohen Schuldenlast von Deutschland überhaupt passiert ?!? Vielleicht ein Traum von Leuten, die die Finanzielle Unabhängigkeit bereits geschafft haben.

  2. ruwis sagt:

    Hallo,

    danke für den Gastbeitrag, der wie ich annehme, viele Leser dieses Blogs anspricht. Zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen möchte ich mich nicht viel auslassen, nur so viel: Dies ist aus meiner Sicht eine rein theoretische Idee, die in akdemischen oder linksintelletuellen Zirkeln diskutiert werden kann. Mit der Realität hat dies nicht viel gemein.

    Worin ich jedoch übereinstimme ist der Grundtenor des Gastbeitrags: Eigenverantwortung. Es ist dem Deutschen eigen viele seiner Sorgen an den „Staat“ abzuwälzen. Der Bürger ist nur in einem theoretisch begrenzten Maße zur Eigenverantwortung bereit – ein Ergebnis der Wohlstandgesellschaft. Die kollektive Weigerung der individuellen Verantwortungsübernahe gipfelt dann in dem Slogan: „Das WIR entscheidet“.

    Dass man mit dieser Grundhaltung viele seiner Freiheiten aufgibt ist vielen entweder gar nicht bewusst oder schlicht weg gleichgültig – Hauptsache die individuelle Verantwortung wird an das Gemeinwesen übertragen, dann kann man die Schuld beim Versagen dem „Staat“ geben und nicht sich selbst.

    Der Kampf für eine Stärkung des Individuums sowie einer Stärkung seiner Rolle als Citoyen gleicht in Deutschland dem Kampf gegen die Windmühlen. Die Merklel-Republik ist eine Republik der Gleichgültigkeit. Haben Sie sich schon gefragt, weshalb die Kanzlerin so gerne als „Mutti“ bezeichnet wird ? Viele erwachsene Deutsche sind nur all zu gerne Kinder, die von der Kanzlerin, der Regierung, dem Staat an die Hand genommen werden.

    Obgleich ich mir noch ein Restvertrauen an die menschliche Einsichtsfähigkeit bewahrt habe, so glaube ich mit den Jahren immer mehr an Kant der einst niederschrieb, dass der Mensch lediglich vernunftsbegabt ist, es jedoch einer Anleitung bedarf, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Diese Anleitung übernimmt in zu vielen Fällen der Fernseher mit so schönen selbterniedrigenden Sendungen wie Frauentausch, DSDS oder Schwiegertochter gesucht.

    Nach meinem Verständnis werden nur die Menschen erfolgreich, die sich ihres eigenen Vertandes unter eigener Anleitung bedienen. Es braucht keiner teuren Berater oder Finanzinstitutionen, die einem die Welt erklären. Was so einfach klingt, ist in der Realität jedoch die Ausnahme. Den Erfolg kann jeder Einzelne dann an seinem Kontostand ablesen.

  3. Ulrich sagt:

    @Florian: Herr Werner kann ja mal mit gutem Beispiel voran gehen und den Mitarbeitern seiner Märkte ein bedingungsloses Einkommen zahlen.

    Es gibt bekanntlich mit Hartz4 eine Grundsicherung, die weit über das hinaus geht, was man in weiten Teilen der Welt kennt. So ein Rettungsnetz ist eine großartige Errungenschaft – eine Hängematte sollte man nicht daraus machen.

  4. Felix sagt:

    Nach meinen Wissen gibt es auch in den reichsten Staaten der Erde kein bedingungsloses Grundeinkommen, jedenfalls in keinem westlichen Industrieland. Weder die reiche Schweiz, noch das durch Öl wohlhabend gewordene Norwegen diskutieren so etwas ernsthaft bzw. haben es. Möglicherweise gibt es so etwas in einigen Öl-Emiraten, wo der Reichtum aus dem Boden sprudelt und die Bevölkerungszahl gering ist.
    M.E. wäre es fatal, wenn auch hier Deutschland, wie schon bei der Energiewende, einen Sonderweg einschlüge. Die Leistungsträger würden noch stärker im Hamsterrad unterwegs sein müssen mit Termindruck, 60 Stundenwoche, rund um die Uhr Erreichbarkeit, Burnout-Syndrom usw., während es für eine immer größere Schicht überhaupt keinen Anreiz mehr gäbe, einen Wecker zu stellen. Es ist bereits jetzt so, dass die meisten Kinder von Hartz-Eltern wieder dieses Schicksal erleiden, weil ihnen jedweder Leistungsgedanke abhanden gekommen.
    Diese Idee widerspricht dem gesunden Menschenverstand, auch die Natur kennt nichts derartiges (ganz im Gegenteil) und es wäre wieder einmal ein gesellschaftliches Experiment, das wie jene schiefgegangenen aus dem letzten Jahrhundert, einen Menschentyp unterstellt, den es so einfach nicht gibt.
    Interessant ist auch, dass diese Vorschläge jetzt aufkommen, wo die meisten Staaten so überschuldet sind, dass völlig unklar ist, wer und wie diese Schuldenberge jemals abgetragen werden sollen. Wenn, wie es der Fall ist, selbst das „reiche Deutschland“ Probleme hat, seine Alterssicherungssysteme aufrecht zu erhalten, also den alten Menschen eine auskömmliche Rente zu zahlen (von Krankenversicherung, Pflege usw. nicht zu reden), woher sollte dass das Geld für Alle kommen?

  5. David sagt:

    Wow, was für ein Artikel! Ich muss sagen ganz nach meinem Geschmack! Besonders gut gefallen mir dabei diese zwei Punkte:

    „Wieso wird Aktienbesitz als höchst risikoreich eingestuft, obwohl doch jedem klar sein müsste, dass nur und ausschließlich der Konsum und die Investition in Konsumaktien die einzig verlässliche Größe ist?“ – und:
    “ Ist es nicht so, dass der intelligente, vorausschauende Anleger zwei Mal zahlt? Einmal mit dem Verzicht auf Komfort während der Ansparphase und ein zweites Mal, wenn er im Alter von seinem bereits mehrfach versteuerten Kapitalstock schon wieder etwas abgeben soll? “

    Wirklich einfach nur ein spitzen Artikel-mehr möchte und kann ich dazu nicht sagen. Außer vlt noch das ich dieses Artikel so wertvoll finde, dass dieser in der Zeitung- am besten in jeder Regionalzeitung abgedruckt und von den Bürgern Deutschlands gelesen werden sollte.

  6. fliegerone sagt:

    Hallo !
    Mir stellt sich gerade die Frage, wer denn nun schlauer in seiner Lebensgestaltung in dieser Gesellschaft ist?
    Wir, die Menschen z.B. auf dieser Seite, die sich Gedanken machen, selbst etwas in die Hand nehmen und mit Risiko und Ausdauer für sich selbst sorgen, aussorgen, vorsorgen
    oder
    die Menschen, die sich u.a. mal Freunde von mir nannten und mir sagten, dass ich doch arbeiten würde um ihre Versorgung später zu zahlen und sie sich nicht für 100 Deutsche Mark (früher nannte man unser Zahlungsmittel so) früher aus dem Bett bewegen würden?
    Ich habe mich damals von diesen vermeintlichen Freunden getrennt und ihnen den Grund auch offen gesagt.
    Aber manchmal glaube ich, dass die damaligen Leute, die kurz nach ihrer Lehre schon die Lebensarbeitszeit beendet haben, zu zweit zusammen wohnten, beide Ünterstützung bekamen, auch ihre Luxusartikel hatten wie Auto und Motorrad im Endeffekt das bekommen werden, was sie damals schon gesagt haben……ihre Versorgung ohne sich darum Sorgen machen zu müssen.

    Die Gedanken kamen mir, als ich mir den Text durchgelesen habe.

    Ich möchte natürlich auch sagen, dass nicht alle Menschen so geartet sind, aber manchmal erschrecke ich mich, wie viele Menschen es inzwischen geworden sind.

    Grüße an Euch
    Raymund

  7. Andi7 sagt:

    Das Thema Grundeinkommen hat doch viele Herzen getroffen. Den Link dazu finde ich nicht besonders informativ.
    Die Idee dahinter ist hoffentlich jedem klar, aber die spezielle Situation in Deutschland offensichtlich nicht.

    Ja, wir haben mit Hartz4 eine gewisse Grundsicherung. Nur das Problem ist, dass diese Grundsicherung die Menschen eher daran hindert eine Arbeit anzunehmen.
    Wer Grundrechenarten beherrscht, stellt schnell fest, dass nichts tun mehr in die eigenen Taschen spült, als etwas zu tun (die Hartz4-Bezieher verfügen in der Regel über keine gefragten Abschlüsse und müssen meistens im Niedriglohnsektor beschäftigt werden).
    Also es gibt genügend Menschen, die arbeiten wollen, aber sie tun es nicht, weil es sich schlicht nicht lohnt (oder es gibt sogar welche, die Vermögensbausteine aufbauen wollen, aber diese würden kontraproduktiv wirken – also man wird gezwungen das meiste zu verkonsumieren und weiterhin auf Sozialleistungen angewiesen sein). Natürlich gibt es auch welche, die trotzdem Arbeiten gehen, weil sie nicht nichts tun wollen. Sie nehmen den Gesamteinkommensverlust in Kauf und dies ist eindeutig nicht gerecht.

    Die Idee hinter dem Grundeinkommen – jeder(also auch Quandts!) bekommt gleich viel, damit wäre Grundsicherung gewährleistet. Kein Hartz4 mehr, kein Wohngeld und -zig wenn nicht hunderte andere Transferleistungen. Kein Papierkram. Super schlanker Beamtenapparat.

    Wer jedoch nicht allein von Grundsicherung leben will, kann beliebig viel dazu verdienen. Jetzt ist die Eigeninitiative gefragt! Glaubt mir – wenn die eigene Leistung nicht zur Kürzung der Transferleistungen führt (ok Steuern bleibt ein paralleles Thema), wird es viel mehr Beschäftigung geben! Dies nutzt auch denen, die auch bisher aktiv waren. Denn es wird viel weniger an solidarischer Unterstützung notwendig (bzw. die geforderte Summe wird auf mehr Beschäftigte und auf mehr Einkommen verteilt).

    Das System ist bereits heute finanzierbar. Man rechnet nur die Ausgaben für Beamten, die einen großen Teil der Bevölkerung mit Papierkram beschäftigen. Dazu kommt noch die Zeitersparnis auf beiden Seiten, die unweigerlich zur BIP-Steigerung führt.

  8. Tom72 sagt:

    Freibier für alle wird eine Traumwelt bleiben. Bis auf ein paar Freaks beschäftigt sich damit nicht mal theoretisch jemand.

  9. Florian sagt:

    Ich muß Euch mal alle loben: Super Diskussion

    Das Paradoxe ist, dass momentan der Staat entscheidet, also WIR (stimmt ihr zu? ;-)), was mit den Steuern passiert. Hätte jeder sein eigenes Grundeinkommen, kann man selbst, also ICH, entscheiden, was man damit macht.

    Ich sehe den Schritt des Grundeinkommens als einen weiteren Schritt in der Maslowschen Pyramide für die gesamte Gesellschaft. JEDER Bürger würde von unserer Wirtschaft gleich profitieren.

    Die Frage ist, wieweit unser technologischer Fortschritt ist. Wieviel (Billig-)Arbeit wird noch benötigt? und sollen wir überhaupt Technologie nutzen, die zu Massenarbeitslosigkeit führt?

    Jetzt provoziere ich ein bischen:

    Arbeitslosigkeit an sich ist doch eigentlich etwas Gutes. Wir müssen nicht mehr arbeiten, um zu leben. Die Arbeit verrichten die Maschinen.

    Generell streben wir doch (seien wir mal ehrlich) mit unserem Dividenden-Portfolio eine Arbeitslosigkeit an. Wir wollen Geld verdienen (bzw. andere für uns Shareholder arbeiten lassen), um selbst nicht mehr arbeiten zu müssen. (und dann?)

    in diesem Sinne,
    frohe Arbeitslosigkeit

    • Finanzielle Freiheit sagt:

      @Florian: Also ich strebe mit meinem Dividenden-Portfolio keine Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau an. Ich möchte einfach in meinem Leben keine finanziellen Probleme haben und mir jeden Tag Gedanken machen zu müssen, wie ich in dem Monat über die Runden komme. Auch möchte ich mir keine Gedanken machen, wenn ich in den Supermarkt gehe und einige Produkte kaufe. Das ist mir sehr wichtig und klar wenn man die Finanziell Freiheit / Finanzielle Unabhängigkeit erreicht hat, dann ist man doch frei zu entscheiden unabhängig vom Staat welcher Arbeit man nachgeht. Was meinst Du?

  10. Finanzielle Freiheit sagt:

    Ich habe den Artikel upgedatet und am Ende des Artikel das Video von Marina Weisband (Piraten Partei) erklärt das Bedingungslose Grundeinkommen anhand einer Matrjoschka eingefügt.

  11. Felix sagt:

    Schönes Video, so stellt man sich den Entwurf eines sozialen Experiments mit einem 80 Millionen Volk wohl eher nicht vor. Es wird viel Zeit darauf verwendet, zu erklären, wie schön es ist, die Staatsknete zu kassieren, aber kaum, wer sie bezahlen soll – der Staat, nehme ich an. Insofern wundert es mich nicht, dass die Piraten bei den Wahlen untergegangen sind.
    Dass solche Hütchenspielertricks nicht auf Dauer funktionieren und ein Land ruinieren, durchschauen die meisten Wähler sehr wohl.
    800 € monatliches Grundeinkommen für jeden, kosten etwa 800 Mrd. € jährlich. Das ist das Doppelte des Bundeshaushalt. Da sind dann noch keine Straßen gebaut, keine Bildung finanziert usw. usw. (Bei der Polizei wird es keine Leute mehr geben; wer lässt sich schon jeden Samstag bei Bundesligaspielen verprügeln, wenn er auch so 800 € bekommen kann).
    Da ich bereits 50 % meines Einkommens an den Staat abdrücke, sind es dann wohl 100 %. Als Gegenleistung erhalte ich dann 800 € gnädigerweise vom Staat und muss mich nicht mehr, wie jetzt, innen hohl fühlen (in Bezug zum Video).

    • Finanzielle Freiheit sagt:

      @Felix: Fühlst Du innerlich hohl? Ich nicht. Man will doch was erreichen im Leben.

      • Felix sagt:

        Das „innerlich hohl“ bezieht sich auf das Video. Dort wird dieses Bild mehrmals gebraucht: Die Sprecherin fühlt sich innerlich hohl, weil sie auf ihr (unsicheres) Einkommen angewiesen ist und eben bislang kein bedingungsloses Grundeinkommen erhält.

    • Andi7 sagt:

      „800 € monatliches Grundeinkommen für jeden, kosten etwa 800 Mrd. € jährlich“ – wie kommt das zustande?
      Haben wir bereits eine Milliarde Mitbürger oder sind alle potenziellen ausländischen Schmarotzer mitberücksichtigt?

  12. Hi,
    Also, eigentlich gibt es mit Harz 4 doch ein gewisses Grundeinkommen, zumindest für die jenigen die nicht arbeiten können oder nicht wollen. Ich meine nicht diejenigen Menschen die wirklich nicht arbeiten können, weil sie entweder krank sind oder aus irgend einen Grund keinen Job bekommen.
    Für all diejenigen Menschen die nicht arbeiten wollen und sich mit wenig Geld zufrieden geben, ist Harz 4 doch perfekt.
    Deutschland ist das perfekte Land für Menschen die nicht’s für ihre Vorsorge tun wollen.
    Wenn ich hier in Asien jemanden erzähle das in Deutschland, selbst Menschen die nicht arbeiten wollen, monatlich Geld vom Staat bekommen und das der Staat sogar die Miete und andere Ausgaben übernimmt. Dann glaubt es mir zunächst niemand. Hier ist es so: kein Job, keine Arbeit, kein Geld!
    Als Angestellter in Singapur hast du die Möglichkeit selbst für deine Rente vorzusorgen und der Staat unterstützt dich dabei. Das heisst, du zahlst monatlich einen Teil deins Gehaltes auf dein persönliches Rentenkonto ein und es bleibt dir erhalten. Du kannst es in Aktien investieren oder eine Wohnung kaufen.
    Dividenden werden nicht versteuert! Die Steuern sind hier im allgemein viel niedriger als in Deutschland und der Staat beteiligt seine Einwohner an den Steuereinnahmen. Für das Jahr 2012 gab es auf die Einkommenssteuern 30 % „Rabat“
    Daran sollte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen und nicht immer nur die Steuern erhöhen und all diejenigen die ein gewissens Vermögen angespart haben dafür bestrafen.
    Schöne Grüsse, Ralf

  13. Florian sagt:

    @Markos: ja, das klingt sehr vernünftig. Um beim Thema zu bleiben: Du willst Dir im Prinzip Dein eigenes Grundeinkommen schaffen, richtig?

    @Felix: Danke für die finanzielle Hochrechnung. Viele reden davon, dass die Besteuerung von der Arbeit (man wird so ja im Prinzip doppelt bestraft, arbeiten und dann was abgeben) auf den Konsum gelegt werden soll. Zeitgleich wird ein Gehalt in Gesamtgehalt=Grundeinkommen+Restgehalt aufgeteilt, sprich der Arbeitgeber zahlt nur noch das Restgehalt. Arbeit wird für den Arbeitgeber billig, was sich auf die Preise auf Produkte mit viel „Menschenarbeit“ auswirkt, auf die man dann widerum Mehrwertsteuer draufhauen kann.

    _______

    Werner erklärt das vereinfacht so:

    «Die Grundfrage lautet doch, ob unsere Gesellschaft einen so großen Überschuss an Gütern und Dienstleistungen produzieren kann, dass wir für 82 Millionen Menschen ein Grundeinkommen von ungefähr 1000 Euro gewährleisten können. Angesichts eines Bruttosozialproduktes von rund 2500 Milliarden und Konsumausgaben von rund 1800 Milliarden Euro beantworte ich das mit ja.» (Götz Werner in der «Braunschweiger Zeitung»)

    Das Prinzip ist, dass die bestehenden Einkommen in der Höhe des Grundeinkommens vom Grundeinkommen ersetzt werden. Die Erwerbseinkommen sinken um die Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens. Dadurch sinken die Kosten der Arbeit. Wenn man so will, kann man das Grundeinkommen als eine Subvention menschlicher Arbeit ansehen.

    Das gleiche gilt für die Mehrwertsteuer, wenn sie die Ertragssteuern ersetzt.

    «Maschinenarbeit dagegen wird heute subventioniert, weil sie keine [der Lohnsteuer] vergleichbare Steuer zahlen muss, sondern eher durch degressive Abschreibungen gepuscht wird. … Wenn wir radikal auf Mehrwertsteuer umstellen wird das Land ein Arbeits-, Steuer- und Investitionsparadies.» (Götz Werner, 2006)

    «Die Sozialsystemkosten würden nicht mehr nur von den Arbeitenden erbracht, sondern von der ganzen Gesellschaft.» (Benediktus Hardorp, 2006)

    Die um die Grundeinkommen gesunkenen Erwerbseinkommen senken die Herstellungskosten und gehen weiter in sinkende Preise. Umso mehr menschliche Arbeit in einer Dienstleistung oder Ware steckt, umso mehr wirkt sich das Grundeinkommen auf deren Preis aus.

    Die gleiche Wirkung hat die Mehrwertsteuer, wenn sie Steuern auf Arbeit ersetzt.

    Auf die gesunkenen Preise kommt die höhere Mehrwertsteuer. Damit bleiben die Preise für den Verbraucher im Schnitt auf einem gleichen Niveau wie zuvor, und ein Grundeinkommen für alle ist in die Bedingungslosigkeit transferiert.
    —————————————————————————————–
    wen es interessiert und wer einiges mathematisch drauf hat, habe gerade die Doktorarbeit von Andre Presse gefunden:

    Grundeinkommen
    Idee und Vorschläge zu seiner Realisierung

    http://www.sinteseeventos.com.br/bien/pt/papers/AndrePresseGrundeinkommen.pdf
    _____________________________________________

    Es ist also nicht ganz so einfach und ja, es wäre ein Experiment, welches man auch stufenweise einführen könnte.

    Allerdings könnte man so einige jetzige Probleme zumindest teilweise lösen:

    -keine Gedanken mehr, wie man finanziell über die Runden kommt
    -Rente und Generationenvertrag
    -Hohl fühlen 😉
    -Gefahr vor Revolten wäre minimiert
    -neue Kreativität

    ____________________________________________________
    Quizfrage: wäre es nicht sinnvoll für jeden Bürger ein Dividendenportfolio aufzubauen? 😉

  14. Ulrich sagt:

    Eine Familie mit 2 Kindern hat dann 4.000 Euro Grundeinkommen? Da geht doch keiner mehr arbeiten. Die „Drecksarbeit“ macht schon gleich gar keiner.

    Und die ganze Welt wird in dieses Schlaraffenland drängen, wo Milch und Honig fließen, ohne dass jemand arbeiten muss.

    Alberne Traumtänzerei.

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